Wendelsheim: Märchensee im alten Steinbruch

Hier sind wir: Am Pfaffenberg bei Wendelsheim, nördlich von Rottenburg am Neckar im Landkreis Tübingen. Der Rundweg zum Märchensee beginnt hinter dem Parkplatz bei der Grundschule (Steinbruchstraße) in Wendelsheim.
Land Baden-Württemberg.

Das gibt es zu sehen: Einen unter Naturschutz stehenden ehemaligen Steinbruch. Ein Rundweg führt an der Abbaukante der Felsen entlang, am idyllischen Märchensee vorbei und endet an einem Aussichtspunkt mit guter Fernsicht über die Weinhänge hinweg in das Neckartal.

Das ist interessant: Im Steinbruch auf dem Pfaffenberg wurde einst im großen Stil Sandstein abgebaut. Der hiesige Schilfsandstein war besonders feinkörnig, leicht zu bearbeiten und deshalb als Baustoff für Brücken und repräsentative Großbauten sehr gefragt. Die auch Stuttgart-Formation genannte Gesteinsschicht hat sich über Millionen von Jahren aus Sedimenten urzeitlicher Flüsse gebildet und zieht sich als meterdicke Schicht am Berg entlang. Die Abbruchwände des Steinbruchs sind bis heute deutlich zu erkennen und ragen bis zu fünf Meter auf.

Der Märchensee, zwischen den Felsen in einer Senke des Abbaugeländes gelegen, entstand auf „wundersame“ Weise in einer einzigen Nacht. Ein plötzlicher Wassereinbruch wurde als mystisches Ereignis interpretiert und der See hatte seinen Namen. Auf dem Felsengrund rund um den See ist ein Wald gewachsen und er wird von Geburtshelferkröten bewohnt, die man vor hundert Jahren hier ansiedelte. Dem Besucher bietet der Märchensee ein romantisch-bezauberndes Gesamtbild.

Der Rundweg endet an einem weiteren Gesamtbild, das sich an einem Aussichtspunkt am Ende des Waldes eröffnet. Am Berghang bis zum Ort hinunter reihen sich die Weinstöcke, der Blick geht weit ins Neckartal bis nach Rottenburg und zur Schwäbischen Alb.

Zeitstempel: September 2020

Der Märchensee ist das ideale Ausflugsziel für eine kleine Runde am Sonntagnachmittag. Der Spaziergang dauert ein Stündchen und wir haben einen schönen Spätsommertag erwischt. Der Pfaffenberg ist von Wald bedeckt, an seinen Südhängen wird Wein angebaut. Am Waldrand, von Wendelsheim kommend, steht ein Wegweiser, der für Märchensee und Steinbruch in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Hier beginnt und endet der Rundweg, so dass es unmöglich ist, sich falsch zu entscheiden. Die dramaturgisch schönere Wanderung hat jedoch, wer Richtung Steinbruch geht. An einem Grillplatz vorbei gesellen sich bald Felsen zwischen die Bäume. Sie werden allmählich höher und bilden eine Wand aus Stein, in der deutlich die Arbeitsspuren der Steingewinnung zu erkennen sind. Viele Felsen sind geborsten und verwittert, aus den Rissen und Ritzen treiben Bäume und Büsche. Die Natur holt sich das Terrain zurück.

Der Rundweg führt immer an der Abbruchkante des alten Steinbruchs entlang, vor der sich hin und wieder kleine Teiche gebildet haben. Die Felswände rücken allmählich enger zusammen und bilden einen schattigen Hohlweg, der über Wurzeln und Gesteinsbrocken direkt zum Märchensee führt. Der trägt seinen Namen zu Recht: Die Steinwände öffnen sich zu einer Felsenschlucht, die Wipfel der hohen Bäume rauschen über einem grünen Teppich aus Wasserlinsen, auf dem Lichtflecken tanzen. Ein märchenhafter Anblick, eine verzaubert wirkende Atmosphäre.

Ein schmaler Pfad zwischen Ufer und Fels führt am See vorbei und aus der Schlucht heraus.

Nur wenige Schritte später winkt der helle Tag durch die Baumstämme und der Waldrand ist erreicht. Er befindet sich am südlichen Hang des Pfaffenberges und erweist sich als Aussichtspunkt mit famoser Fernsicht. Über die Weinberge hinweg geht der Blick weit ins Neckartag bis hin zu den Höhen der Schwäbischen Alb. Hinter Wendelsheim ist Rottenburg zu sehen, rechterhand das Dorf Wumlingen, und nach einem Schritt weiter, vom Waldrand weg auf die Weinreben zu, rückt sogar die weiß-rot leuchtende Wurmlinger Kapelle auf ihrem weithin sichtbaren Berggipfel ins Bild.

Danach ist der Ausgangspunkt des Rundweges nicht mehr weit und es geht nur noch bergab ins Dorf zurück.

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