Meseberg: Prunkschloss auf dem Land

Hier sind wir: Meseberg ist ein Dorf im Ruppiner Land, es liegt nördlich von Berlin, kurz vor Gransee, etwas abseits der B96.
Land Brandenburg, Kreis Oberhavel.

Das gibt es zu sehen: Schloss Meseberg, ein Barockschloss, das heute als Gästehaus der Bundesregierung genutzt wird. Es liegt malerisch am Huwenowsee, im Dorf selbst gibt es eine Kirche zu besichtigen und einige gastronomische Angebote.

Das ist interessant: Schloss Meseberg ist kein Ausflugsziel im eigentlichen Sinne, doch es lohnt einen Abstecher, wenn man in der Gegend ist. Der Grund liegt auf der Hand: Weil es seit 2007 Gästehaus der Bundesregierung ist, kann es, der Sicherheitsanforderungen wegen, nur durch die Zaunstreben bewundert werden. In den Park und das Schloss kommt nur, wer bei einem „Tag der offenen Tür“ zur Stelle ist. Doch die Gelegenheiten dafür sind selten.

Das Schloss ist eine barocke Schönheit von überraschenden Dimensionen. Es wird flankiert von flachen Wirtschaftsgebäuden, die einen ansehnlichen Vorplatz bilden. Hinter dem Schloss führt ein in Terrassen angelegter Park zum Seeufer hinunter. Die Verbindung zum Dorf stellt eine kurze Allee her, deren Bäume wie Soldaten einer Ehrenkompanie aufgereiht stehen. So viel Repräsentation in einer ländlich geprägten Gegend, mitten im nirgendwo, umgeben von einer Handvoll Bauernhäuser, das erstaunt schon. Bestimmt hat das einen spannenden Hintergrund:

Meseberg war ursprünglich ein gewöhnliches Rittergut. Anfang des 18. Jahrhunderts brannte das Gutshaus ab und ein reicher Graf mit Glanzbedürfnis, der in diesen Besitz eingeheiratet hatte und Sohn eines preußischen Generalfeldmarschalls war, ließ ein standesgemäßes wie kostspieliges Schloss errichten. Seine Töchter verkauften bereits wenige Jahre nach seinem Tod das Anwesen samt der zugehörigen Güter an den Prinzen Heinrich von Preußen, der in Rheinsberg Hof hielt.

Prinz Heinrich war ein Bruder des preußischen Königs Friedrich II. und stand in dem Ruf, „männerliebend“ zu sein. Zu seinen Günstlingen gehörte Christian Ludwig von Kaphengst, dem er Schloss Meseberg zum Geschenk machte. Hier wird die Geschichte interessant, denn es heißt, der Alte Fritz persönlich habe im Hintergrund veranlasst, Kaphengst aus Rheinsberg und damit von der Seite seines Bruders zu entfernen.

Theordor Fontane erzählt in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, Prinz Heinrich habe Kaphengst seiner „Jugend und Schönheit“ wegen in seine Nähe geholt und ihn zu seinem Adjutanten gemacht, obwohl ihn dazu „seine geistigen Gaben keineswegs befähigten“. Die Bevorzugung durch den Prinzen machten Kaphengst so „übermütig“, dass selbst der König davon Notiz nahm und das Verhältnis „missbilligte“. Mit einer ordentlichen Geldsumme als Geschenk, befahl der König seinem Bruder, Kaphengst zu entlassen. So kam dieser zu einem Schloss und übersiedelte nach Meseberg. Doch die Beziehung von Prinz und Günstling endete damit nicht, sie wandelte sich nur. Was blieb, waren der aufwändige Lebenswandel, Geldströme aus Rheinsberg und Besuche des Prinzen. Fontane widmet diesem Thema ein ganzes Kapitel in seinem Buch. Da war einiges los, zu jener Zeit in Meseberg, und Kaphengst lebte deutlich über seine Verhältnisse. Am Ende der Geschichte brach der Prinz mit ihm und er steuerte in den finanziellen Ruin. Ein Satz von Fontane noch als Abschluss, der vielleicht Lust macht, es in den „Wanderungen“ nachzulesen: „Wenn von Kaphengsts Habsucht, Wüstheit und Eitelkeit schon in Rheinsberg ihre Proben abgelegt hatten, so verschwanden diese neben dem, was er jetzt in Schloss Meseberg in Szene setzte. Debauchen aller Art lösten sich untereinander ab und die wahnsinnigste Verschwendungssucht griff Platz.“ (Debauchen = Ausschweifungen)

Zu den späteren Eigentümern gehörte ein Sohn der Verlegerfamilie Lessing aus Berlin, die den Dichter Gotthold Ephraim Lessing zu ihren Vorfahren zählte. Aus dem Umfeld dieser Familie erfuhr Theodor Fontane vom Lebensweg der Baronin Elisabeth von Ardenne. Ihre Geschichte diente Vorlage für seinen Roman „Effi Briest“.

Die jüngere Geschichte in aller Kürze: Nach 1945 wurde der Besitz entschädigungslos enteignet. Ein Lebensmittelladen, ein Kindergarten und die Gemeindeverwaltung bezogen das Schloss, aus Vernachlässigung wurde Verfall, der sich durch den Leerstand nach der Wende noch beschleunigte. Nach der Jahrtausendwende sorgte die Messerschmitt Stiftung für die Restaurierung und überließ Schloss Meseberg der Bundesregierung zur Nutzung. Der erste hohe Besuch im neuen Gästehaus war im Januar 2007 der französische Staatspräsident Jacques Chirac.

Zeitstempel: Juli 2020

Wir kommen von Lindow her und halten Ausschau nach Meseberg. Es kann nicht mehr weit sein, doch weder Haus, Schloss noch Kirchturm deuten auf ein Dorf hinter den Feldern. Vielleicht nach dem nächsten Waldstück? Doch zunächst geht es in ein Tal hinunter und um eine scharfe Kurve herum. Dann ist das Dorf plötzlich da, und der Kirchturm, und das Schloss. Ganz nah sogar. Es ist ein schönes und imposantes Schloss, das in frischen Farben und mit akkurat gepflegten Rabatten prangt. Es ist ungewöhnlich groß für ein Landschloss und überstrahlt das ganze Dorf.

Leider sind, wie bereits erwähnt, weder Schloss noch Park öffentlich zugänglich. Ein hoher Zaun umgibt das ganze Gelände, Technik und Personal sichern es vor ungebetenen Besuchern. Wir wissen, dass Meseberg von der Bundesregierung genutzt wird, doch insgeheim hatten wir uns etwas mehr Nähe erhofft, zumindest einen Schritt in den Park. Am Tor ist Schluss, wir finden uns damit ab, schlendern die Dorfstraße entlang zum Schlosswirt und zur Kirche.

Direkt gegenüber der Vorfahrt zum Schloss wird gerade eine Pressetribüne gebaut. Neben der Straße liegt schon die Kabel für die Kameratechnik bereit. Wir lassen uns rasch von Google erzählen, welcher hohe Besuch ansteht. Schon am nächsten Tag, erfahren wir, wird hier der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte durch Bundeskanzlerin Angela Merkel empfangen. Dann werden auf dem Parkplatz nebenan sicher ein paar mehr Fahrzeuge stehen als heute.

Schloss Meseberg wurde direkt an den Huwenowsee gebaut, doch vom Dorf aus ist er an keiner Stelle zu sehen. Auch einen Zugang hinunter zum Ufer gibt es nirgends. Wir müssen wieder auf das Plateau hinauf und auf der anderen Seite erneut ins Tal hinabsteigen, um einen Blick auf See und Schloss zu werfen. Der Huwenowsee liegt in einer Senke. Für alle, die nicht nah an ihn herangehen, bleibt er unsichtbar. Erst am Rand des Abhangs zum Ufer öffnet sich das Panorama aus Schloss, See und Sommergrün. Ein prächtiges Barockschloss in traumhafter Lage und von hier gesehen in absoluter Postkartenpose. Wir genießen den Anblick und schauen eine Weile den Badenden zu, die hier, vis-a-vis vom Schlosspark an einer Lücke im Schilf ihre Decken über das Gras geworfen und den Platz neben dem Bootssteg zur Badestelle erklärt haben.

Unser Besuch in Meseberg hat nur eine gute Stunde gedauert, doch wir sind zufrieden, nicht einfach nur hindurchgefahren zu sein.

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