Grunewald: Auf dem Uferweg zum Schildhorn

Hier sind wir: Der Grunewald erstreckt sich entlang der Havel westlich von Berlin-Wilmersdorf. In Ufernähe durchquert ihn die Havelchaussee. Der Grunewaldturm (mit Parkplatz und Bushaltestelle) steht etwa auf halber Strecke zwischen Pichelsberg und Nikolassee.
Land Berlin, Stadtbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf

Das gibt es zu sehen: Die reizvolle Havellandschaft entlang des Uferweges zwischen Grunewaldturm (Gedenkturm für Kaiser Wilhelm I.) und Schildhorn (Halbinsel mit Denkmal zur Gründungslegende der Mark Brandenburg).

Zeitstempel: Juli 2021

Im Grunewald ist man noch in Berlin und trotzdem mitten in der Natur. Wald und Hügel blenden die Großstadt aus. Wo der Blick in die Ferne darf, springt er zu den Segelbooten auf der Havel, auf ein paar Gatower Dächer und verliert sich im Grün der Flusslandschaft.

Wir sind den Uferweg vom Grunewaldturm aus bis zum Schildhorn und zurück gewandert. Die Tagesnorm für unseren Schrittzähler kam dabei locker zusammen. Es sind gut sechs Kilometer, was eine ganze Menge für einen Sonntagsspaziergang ist. Wer die Strecke halbieren will, nimmt einfach für den Rückweg den Bus. Doch schöner ist es, den Weg aus einer neuen Perspektive noch einmal zu gehen. Wir sind immer wieder vom Ufer auf den Höhenweg gewechselt, in den Ausguck, gewissermaßen.

Die abwechslungsreiche Gestalt der Gegend ist es, die ihren Reiz ausmacht. Der Grunewald liegt am Rand der Teltow-Hochfläche, an ihrer Abbruchkante zur Havelniederung. Der Boden hier wurde in der Eiszeit durch Gletscher zusammengeschoben und von Havel und Schmelzwasser abgetragen. So entstanden schluchtenartige Ablaufrinnen, Böschungen, Gefälle, Berge – und der Wanderer hat die Wahl, ob er direkt am Havelufer oder oben auf dem Teltow-Plateau spazieren und die Aussicht genießen möchte.

Einer der Berge im Grunewald ist der Karlsberg. Er ist 78 Meter hoch und trägt den Grunewaldturm. Er ist der Ausgangspunkt für unseren Spaziergang, weil er direkt an der Havelchaussee steht und einen Parkplatz hat. Der Aussichtsturm aus rotem Backstein wurde wurde 1899 eröffnet und ist Kaiser Wilhelm I. gewidmet. Am Sockel führt eine Freitreppe zu einer Gedenkhalle mit Kaiser-Statue und vielen dekorativen Elementen drum herum. Die Aussichtsplattform ist 36 Meter weiter oben, jedoch ist sie, vermutlich wegen Corona, geschlossen. Dafür hat der Kaisergarten geöffnet. Hier gibt es Selbstbedienungsgastronomie zu Restaurantpreisen und reichlich Sitzplätze mit unverwachsener Fernsicht über die Havel. Das Einkehren heben wir uns für das Ende unseres Rundgangs auf.

Zunächst geht es durch den Wald den Hang hinab zum Uferweg. Es ist herrliches Sommerwetter und die Baumwipfel am Wegesrand sind willkommene Schattenspender. Zwischen Büschen und Schilf eröffnet sich immer wieder ein Fenster zum Fluss, wo, von Laub und Zweigen wirkungsvoll eingerahmt, auf dem blauen Wasser weiße Segel blinken. Entlang der Strecke gibt es mehrere moderat besuchte Badestellen und am Beginn der Landzunge Schildhorn einen großen Kinderspielplatz.

Wir gehen am Ufer einmal um die kleine Halbinsel Schildhorn herum und dann über eine Steintreppe den Höhenzug in seiner Mitte hinauf. Dort steht das Schildhorn-Denkmal. Es wurden vom Architekten Stühler Mitte des 19. Jahrhunderts nach einer königlich-preußischen Bleistiftskizze entworfen. Damals soll es auf dem Hügel noch von allen Seiten weithin sichtbar und ein beliebtes Ausflugsziel gewesen sein. Heute stehen der Säule große Bäume zur Seite und sie wirkt insgesamt etwas vergessen. Der Blick auf die Havel jedoch ist grandios wie eh und je, vermute ich.

Das Denkmal steht für die Gründungslegende der Mark Brandenburg. Ob sie sich hier oder überhaupt ereignet hat, ist fraglich, doch sie ist erzählenswert: Im Jahre 1157 war der Wendenfürst Jaczo (oft auch Jaxa geschrieben) vor Albrecht dem Bären (Markgraf) auf der Flucht und fand sich in Gatow an die Havel gedrängt. Es blieb kein Ausweg, als den Fluss samt Pferd zu durchschwimmen. Unterwegs drohte Jaczo zu ertrinken und er flehte seinen Slawengott Triglaw vergeblich um Rettung an. In der höchsten Not erbat er sich Hilfe vom Gott seiner Feinde und siehe da, der Christengott verhalf ihm ans rettende Ufer. Aus Dankbarkeit hängte er seinen Schild und sein Horn an den Ast einer Eiche und schwor den alten Göttern ab. Die Mark Brandenburg war geboren. Das Denkmal symbolisiert Baumstamm und Schild, doch der Name Schildhorn, den die Landzunge schon lange vor Legende und Denkmal trug, hat damit nichts zu tun. Aber alle Dinge muss man nicht bis ins Detail wissen. Die Sage ist schön und passt hierher.

Während unseres Rückwegs wechseln wir einige Male auf den Höhenweg und erfreuen uns am Havelpanorama. Wieder am Grunewaldturm, gönnen wir uns eine ausgiebige Pause im Kaisergarten – balancieren mit einem schief beladenen Tablett vom Schotterweg ins Sandbett, suchen uns ein gemütliches Plätzchen in der ersten Reihe und verputzen mit Blick auf den Schäferbergturm in Wannsee ein winziges Stück Kuchen.

Fazit diese Sonntags: Ein schöner Spaziergang, zur Nachahmung empfohlen.

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