Lanzarote: Reben in schwarzen Mulden

Hier sind wir: La Geria ist ein Dorf in der Weinbauregion von Lanzarote. Es liegt nordöstlich von Yaiza und Uga, am äußeren Rand des Nationalparks Timanfaya.
SpanienKanarische Inseln.

Das gibt es zu sehen: Der Anbau von Wein auf Vulkanasche in geschützten Mulden ist einzigartig und nur auf Lanzarote zu finden. In der Region gibt es viele Weingüter und Bodegas, die Weinproben anbieten und Gäste bewirten.

Zeitstempel: Juni 2018

So ist das mit den geografischen Angaben in Reiseberichten: Es wird mit Ortsnamen hantiert, die mehrheitlich keiner kennt. La Geria, Masdache und San Bartolomé – so heißen die Dörfer, denen wir heute begegnen. Ich will damit keine Ortskunde vorgaukeln und merken muss man sich die Namen auch nicht. Wer mag, kann auf einer Landkarte nachschauen und wird die Straße finden, die diese drei Orte verbindet. Sie markieren das Weinanbaugebiet der Insel und in etwa die Mitte von Lanzarote.

Die Weinberge hier, wie sollte es anders sein, sind vulkanischen Ursprungs. Eine weitere Besonderheit ist die Anbauform. Die Reben wachsen auf schwarzer Vulkanasche und die Weinstöcke stehen einzeln in speziell geformten Vertiefungen, die von kleinen Mauern aus Lavabrocken umgeben sind. Das sich scheinbar endlos in die Weite fortsetzende Raster leuchtend grüner Tupfen auf schwarzem Grund bietet einen einzigartigen Anblick. Der Aufwand für diese Art des Weinbaus ist unglaublich: Jede einzelne Pflanze bekommt ihre Mulde. In ihr saugt der Weinstock die Luftfeuchtigkeit auf, die nachts auf den Körnchen der Lavaasche kondensiert. Tagsüber schützt das schwarze Granulat vor Hitze und Erosion. In einem Halbkreis wird für jeden der Trichter ein Schutzwall aus Steinen aufgeschichtet, um die Pflanzen vor den ausdörrenden Passatwinden zu schützen. So wird jedes aus der Luft gewonnene Tröpfchen Feuchtigkeit sorgsam bewahrt, denn richtige Niederschläge sind sehr selten. All die Arbeit mündet, nach der mühsamen Lese der saftigen Trauben, in einen köstlichen Wein. Das erscheint fast wie ein Wunder. Überall im Weinbaugebiet gibt es Bodegas an der Straße. Sie sind vergleichbar mit den Weingütern bei uns. Hier kann man Pause machen, herumspazieren und sich über das Keltern informieren. Es gibt Wein zu verkosten und zu kaufen und meist auch ein Snack-Angebot, von Tapas aufwärts bis zum Menü.

In der Nähe von San Bartolomé steht das „Monumento al Campesino“, ein Denkmal für die Bauern der Insel, das vom Künstler César Manrique geschaffen wurde. César Manrique hat mit seinen Werken überall auf Lanzarote Akzente gesetzt. Das „Monumento al Campesino“ soll die Bedeutung des Wassers für die Inselbauern symbolisieren. Das Denkmal, so haben wir erfahren, markiert die topografische Mitte Lanzarotes. Es ist durch seine imposante Größe weithin sichtbar und das strahlende Weiß vor blauem Himmel macht es zu einem beliebten Fotomotiv. Die Skulptur soll aus alten Wassertanks von Fischerbooten gebaut sein und einen Bauern mit seinen Arbeitstieren darstellen. Mit diesem Wissen und etwas Vorstellungskraft kommt das hin. Es ist in jedem Falle ein eindrucksvolles Kunstwerk, das den harten und entbehrungsreichen Alltag der Bauern würdigt. Den ländlichen Traditionen widmet sich auch ein kleines Museum gleich nebenan – zu dem außerdem ein in einer Vulkangrotte gelegenes Restaurant gehört.

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