Lanzarote: In den Lavatunneln des Monte Corona

Hier sind wir: Im Norden der Insel, der vom Vulkankrater des Monte Corona überragt und bis zur Ostküste von dessen Eruptivgestein geprägt ist. Die Ausflugsziele Cueva de los Verdes und Jameos del Agua sind in Küstennähe und über die Fernstraße LZ-1 zu erreichen.
SpanienKanarische Inseln.

Das gibt es zu sehen: Durch vulkanische Aktivität sind vor 4.000 Jahren Lavaröhren entstanden, die ein weitverzweigtes Höhlensystem bilden, das an einigen Stellen für Besucher begehbar ist. In der künstlerisch gestalteten Grotte von Jameos des Agua gibt es die einzigartigen blinden Albinokrebse zu sehen.

Zeitstempel: Juni 2018

Die Landschaft im Norden von Lanzarote wird bestimmt vom weithin sichtbaren Vulkan Monte Corona, was einzeln übersetzt Berg und Krone heißt und zu Bergeskrone kombiniert werden könnte. Erlaubt mir schnell ein paar Zeilen Erdkunde: Der Monte Corona hat einen kreisrunden Vulkankegel und ragt 600 Meter aus dem Meer. Er war vor rund 4.000 Jahren zuletzt aktiv und hat eine riesige Fläche mit Lava bedeckt und in unwegsames Land verwandelt. Malpais (schlechtes Land) heißt deshalb die ganze Region. Die Lavamassen des Vulkans strömten damals nach Osten auf die Küste zu. Selbst als an der Oberfläche die Schmelze bereits zu erkalten und zu erstarren begann, floss im Inneren die Lava in unvorstellbaren Mengen weiter, wie durch ein unterirdisches Kanalsystem. Zwischen Vulkan und Meer entstand ein sieben Kilometer langer Tunnel, der mit dem Versiegen des Lavastromes ein weit verzweigtes Höhlensystem zurückließ. Er gehört zu den längsten Lavatunneln der Welt. An manchen Stellen ist die Decke des Tunnels eingestürzt und der Einstieg in die Unterwelt möglich. Zwei Attraktionen wollen wir uns heute anschauen: die Höhlen Cueva de los Verdes und die Grotten Jameos del Agua. An der Erschließung und Gestaltung beider Ausflugsziele war auch wieder Inselkünstler César Manrique mit seinen Ideen maßgeblich beteiligt.

Zuerst steigen wir in die Cueva de los Verdes hinab, ein Labyrinth aus Höhlen und kanalartigen Gängen, die sich in mehrere Ebenen gliedern. Nach wenigen Schritten ist das Tageslicht verschwunden, mit Lampen werden Farb- und Schattenspiele inszeniert und mystische Klänge begleiten den Spaziergang. Der Weg führt steil hinab in die Lavaröhren. Wie erstarrte Tropfen geschmolzener Schokolade klebt an Decken und Wänden, was einst den gesamten Kanal füllte. Wo wir jetzt stehen, floss vor tausenden Jahren ein glühender Strom entlang, der allmählich erkaltete, sich ablagerte, in großen Blasen staute, wie in einer Rohrleitung dem Meer entgegenstrebte. So bildete die Lava, wo Felsen in den Weg stürzten, Stromschnellen, staute sich vor Felsabbrüchen zu glühenden Seen oder ergoss sich wie ein Wasserfall in tieferliegende Gänge. An den Tunnelwänden sind sogar die Pegelstände der Lava noch erkennbar.

Der Weg durch die Höhlen ist gut ausgebaut, doch stets ist höchste Aufmerksamkeit geboten. Immer wieder gibt es Stufen, legen sich Stolpersteine in den Weg, gilt es den Kopf einzuziehen, schieben sich die Felsen zu engen Durchgängen zusammen, um sich dann wieder zu großen Hallen zu öffnen. Kilometerweit ziehen sich die Gänge hin und noch längst sind nicht alle Teile des unterirdischen Systems aus Lavatunneln erforscht. Unser Rundgang führt in einen großen Höhlenraum, der zu einem unterirdischen Konzertsaal gestaltet wurde. Bei dezenten gregorianischen Gesängen würdigen wir die perfekte Akustik – doch Konzerte, wird uns erzählt, fänden hier nicht mehr statt, weil sich der Komfort der Gäste, beginnend bei den Toiletten, so weit unter der Erde nicht gewährleisten lasse. Seit Jahrhunderten jedoch sei dieser Ort für die Inselbewohner eine Kathedrale der Natur, in der sie früher gelegentlich vor Piratenangriffen Zuflucht suchten.

Wieder zurück aus den Eingeweiden des Monte Corona dauert es einen Moment, bis sich unsere Augen wieder an das Tageslicht gewöhnt haben. Wir schauen zum Vulkan und schwenken unseren Blick zur Küste hinüber. Die Straße dorthin führt durch eine Wüste aus Geröll, unter deren Boden die vulkanischen Röhren verlaufen. Ein paar Kilometer entfernt gibt es einen weiteren Einstieg, die Grotten Jameos del Agua. Sie sind unser nächstes Ziel.

Die Grotten Jameos del Agua befinden sich ein gutes Stück näher am Meer und gehören, wie gesagt, auch zum Lavatunnel des Monte Corona. Jameo ist ein Wort aus der Sprache der Ureinwohner und bedeutet so viel wie: Loch in der Erde. Die Felsen über den Hohlräumen sind hier teils großflächig eingestürzt und haben lauschige Grotten gebildet. Der Weg hinab führt über einen serpentinenartigen Wandelgang aus Stufen, gesäumt von exotischen Pflanzen. Ein großes Sonnensegel, das wie ein Baldachin über den Eingang gespannt ist, taucht die Treppe in rötliches Licht und hilft unseren Augen, sich an das Dunkel in der Grotte zu gewöhnen. Schon der erste Eindruck begeistert. Die Helligkeit, die vom Ausgang gegenüber hereinfließt, spiegelt sich auf der Oberfläche eines Sees und lässt Höhle riesig wirken. Eine große Halle, die wahrscheinlich einmal eine Blase im Lavastrom war, liegt vor uns. Der See an ihrem Grund nimmt fast die gesamte Breite ein, nur ein schmaler Felsensteg am Rand führt zur anderen Seite hinüber. Im Salzwasser des Sees leben die berühmten blinden Albinokrebse. Sie sind ungefähr so groß wie eine Cent-Münze und die Natur hat ihnen keine Augen zugeteilt, weil sie sich in völliger Dunkelheit entwickelt haben. Noch ist nicht schlüssig erforscht, wie sie hierherkamen. Ihr eigentlicher Lebensraum ist die Tiefsee des Ozeans, doch auch hier fühlen sie sich scheinbar wohl und krabbeln wie kleine Spinnen überall auf den Steinen umher. Der Wasserspiegel des Höhlensees, erfahren wir, steigt und fällt im Wechsel der Gezeiten, weil er unterirdisch mit dem nahen Atlantik verbunden ist. Während unseres Besuches geht es gerade auf die Flut zu.

Über Kaskaden aus Steintreppen auf der anderen Seite des Sees geht es dem nächsten Höhepunkt entgegen. Ein offen liegender Teil der Höhle ist wie ein Paradiesgarten gestaltet: Ein in Weiß gefasster Pool, von Lavagestein und Palmen gesäumt und ringsum begrenzt von einer steil aufragenden Felswand. Das Bild einer entrückten Oase. Kakteen und Blumen schmücken die Wege und weiter geht es in eine dritte, wieder von einem Felsendach bedeckte Grotte, die als Veranstaltungssaal für mehrere hundert Gäste ausgestaltet wurde. Hier ein Konzert zu erleben und in der Pause am Wasserbecken vorbei zur offenen Bar zu schlendern, muss ein einmaliges Erlebnis sein. Wir schauen uns das Werbeplakat mit den nächsten Terminen an – und müssen uns mit unserer Vorstellungskraft begnügen. Beim nächsten Event sind wir schon längst nicht mehr auf Lanzarote.

Eine Freitreppe hinauf geht es schließlich zum Haus der Vulkane. In Ausstellungsräumen, die auf das Felsendach direkt über die Hauptgrotte gebaut wurden, gibt es – informativ und unterhaltsam aufbereitet – viel über die Geologie und den Vulkanismus auf Lanzarote zu erfahren. Wir schlendern mit wechselndem Tempo durch die Ausstellung und genießen von einer Terrasse den Panoramablick auf die idyllische Gartengrotte und die sie umgebende karge Landschaft. Erst als wir wieder in unser Auto steigen, spüren wir, mit wie viel Laufarbeit unser heutiger Ausflugstag verbunden war. Es ist Zeit für den Hotelpool.

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