Schlepzig: Mitten im Unterspreewald

Hier sind wir: Schlepzig ist ein niedersorbisches Dorf im Unterspreewald, zwischen Märkisch Buchholz und Lübben, abseits der B179.
Land Brandenburg, Kreis Dahme-Spreewald 

Das gibt es zu sehen: Der Spreewald rund um Schlepzig ist besonders ursprünglich und naturnah. Vom Kahnhafen aus können Rundfahrten unternommen oder Kanus ausgeliehen werden. Der Ort hat eine gute touristische Infrastruktur, es gibt eine Brauerei, eine Brennerei, eine historische Mühle und ein Bauernmuseum.

Zeitstempel: Juni 2021

Elf Jahre nach unserem ersten Besuch zieht es uns wieder nach Schlepzig. Es ist unser erster Ausflug als doppelt Corona-Geimpfte und wir haben vor, uns endlich wieder ein paar Freiheiten zu gönnen. Es ist zu spüren, dass nach der langen Zeit von Lockdown und Einschränkungen, das normale Leben erst langsam wieder in Gang kommt. Das Brauhaus und sein Biergarten direkt an der Hauptspree haben geöffnet und sind gut besucht. Wir nehmen Platz, scannen den Code der Luca-App und gönnen uns Schnitzel mit Spargel. Es ist herrlich, hier im Spreewald wieder einmal mit Blick in die Idylle im Freien zu sitzen.

Auch Kahnfahrten werden werden wieder angeboten, doch das Interesse scheint gering. Wir sehen einen Kahn, der sich mit nur drei Gästen auf seinen Rundkurs begeben hat. Mir wäre es auch noch ein wenig zu kuschelig in dem engen Boot. Man muss sich erst wieder antrainieren, etwas weniger Distanz zu tolerieren. Wir beschränken uns auf einen kleinen Spaziergang am Kahnhafen und im Dorf. Wie gesagt, noch nicht überall sind die Dienstleister schon wieder am Start und für manchen kann es sein, dass der Start in die neue Saison einfach zu spät kommt. Hoffentlich wird es ein schöner Sommer, der viele Gäste in den Spreewald lockt.

Zeitstempel: April 2014

Wir hatten wieder einmal Lust auf Spreewald. In Schlepzig, das wussten wir, kann man schön durch die Natur spazieren und gemütlich einkehren. Es war um die Osterzeit und das Wetter freundlich. Alle unsere Erwartungen wurden erfüllt und wir verlebten einen schönen Tag. Das Grün war jung und kraftvoll, die Kirschbäume blühten, der Weidendom presste die ersten Triebe aus den streng gebündelten Zweigen. Der Frühling zeigte sich von seiner besten Seite.

Zeitstempel: August 2010

Das Wasser stand hoch in diesem Sommer. Als wolle die Spree aus ihrem Bett heraus, waren Ufer und Stege überspült, stand die Nässe auf den Wiesen, sauste der Fluss dahin. Doch ich will nicht vorgreifen: Wir waren in Schlepzig, dem Tor zum Unterspreewald, an einem milden, immer wieder von Schauern erfrischten Tag.

Wohl dem wechselhaften Wetter geschuldet, waren nicht viele Besucher im Ort. Wir fanden problemlos einen Parkplatz, spazierten ein wenig durch das Dorf und gönnten uns einen Kaffee im Freien, in der Nähe des Kahnhafens. Die Anzahl der Tische und Bänke deutete darauf hin, dass man hier ganz anderen Ansturm gewohnt ist. Die Verkäuferin war mies gelaunt, wohl, weil sie heute trotzdem arbeiten musste und dann auch wirklich noch Kundschaft kam. „Was muss ich tun, um beachtet zu werden?“, fragte ich sie, nachdem sich nach einigem Warten ihre Stimmung auf mich übertragen hatte.

Ein hübsch angelegter See mit Liegewiese und Holzbrücke in einer parkähnlichen Wiesenlandschaft, über der gerade die Sonne lachte, lockte uns an. Nach wenigen Schritten durch das Gras mussten wir die Schuhe ausziehen. Gurgelnd quoll Wasser aus dem weichen Untergrund, in dem wir knöcheltief versanken.

Wir gingen in einen Weidendom, der einen mächtigen Raum schuf und dessen Dach das Licht zerstäuben ließ. Dann besuchten wir ein paar Kühe, die uns mit trägen Kopfbewegungen nur beiläufig registrierten. Ein Greifvogel flog über unsere Köpfe hinweg. Noch ehe wir ihn erkennen und benennen konnten, war er hinter den Bäumen verschwunden. Nach wenigen Schritten ist man hier mitten in der Natur.

Würde das sonnige Wetter die nächste Stunde halten? Die Wolken zogen schnell und sahen schwer beladen aus. Doch man kann nicht in Schlepzig gewesen sein, ohne eine Kahnfahrt gemacht zu haben.

Der Unterspreewald ist Biosphärenreservat, erklärte der Kahnführer. Die Eingriffe des Menschen in die Natur sollen schrittweise wieder rückgängig gemacht werden, damit der Spreewald hier wieder seine Ursprünglichkeit entfalten kann. Wer den Spreewald von Kahnfahrten in Lübbenau und anderswo kennt, wird erstaunt sein. Fast keine Gärten, Häuser und Stege säumen hier das Ufer, sondern wirklich nur die Natur. Spärlich sind die Spuren menschlichen Einwirkens an den Böschungen, statt Feldern gibt es Urwald, wuchernde Büsche, abgeknickte Bäume. Mit ein wenig Vorstellungskraft meint man, den Amazonas auf einer Entdeckungsreise zu befahren.

Eine Ringelnatter kreuzte unseren Weg. Wir mussten uns ducken, um herabhängenden Ästen auszuweichen. Spreewaldidylle ringsum, von der unser Kapitän in vielen Anekdoten zu erzählen wusste.

Um über den Puhlstrom zu setzen, der im Grunde wie eine Schnellpiste für das Spreewasser ist, musste der Motor angeschaltet werden, damit wir der beeindruckend munter fließenden Strömung entkommen konnten. Unerwartet deutlich trieben wir ab, als seien wir in Stromschnellen geraten, doch schon nach wenigen Metern wurden die Spree und ihre Fließe wieder beschaulich. Die schöne, imposante Rundfahrt endete an ihrem Ausgangspunkt im Dorf. An einem Hofladen kauften wir uns noch spreewald-aromatische Tomaten für das Abendessen und es begann erst zu regnen, als wir schon wieder im Auto saßen und uns auf den Heimweg machten.

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