Nürnberg: Auf dem Christkindlesmarkt

Hier sind wir: In Nürnberg, der fränkischen Metropole an der Pegnitz.
Land Bayern.

Das gibt es zu sehen: Der Christkindlesmarkt gehört zu den bekanntesten Weihnachtsmärkten der Welt, er wird seit dem Mittelalter auf dem Hauptmarkt und der umliegenden Altstadt von Nürnberg veranstaltet.

Zeitstempel: Dezember 2014

Weihnachtsmärkte sind hierzulande in fast allen Städten Tradition und viele haben sich eine überregionale Anziehungskraft erarbeitet. Warum also über den Weihnachtsmarkt in Nürnberg reden? Weil er, bei aller Konkurrenz, etwas Besonderes ist. Zweifellos hat Nürnberg in der ganzen Welt die Vorstellung davon, wie in Deutschland Weihnachten gefeiert wird, maßgeblich beeinflusst. Und Besucher von allen Kontinenten nehmen alle Jahre wieder in Augenschein, wie sich die gesamte Altstadt in ein heimeliges und geschäftstüchtiges Weihnachtsland verwandelt. Nun wollten wir hier auch einmal Adventsstimmung tanken.

Ein Weihnachtsmarkt ist ein Weihnachtsmarkt, der in Nürnberg jedoch zählt zu den ältesten. Seit über vierhundert Jahre gibt es ihn schon und fast meint man, viele der heutigen Festtagsbräuche seien hier erfunden worden. Und außerdem: Hier geht es nicht um den Weihnachtsmann, sondern alles dreht sich um das Christkind. Ein Chriskindlesmarkt ist unstreitig bereits begrifflich viel näher am eigentlichen Ursprung des Festes. Über dem Marktreiben schwebt ein gekrönter Rauschgoldengel, der große Flügel, aber keine Arme hat. Vor Jahrhunderten soll ein Puppenmacher der Stadt eine solche Figur für seine kranke Tochter gebastelt haben. Dieses Symbol für die Vorweihnachtszeit es deshalb nur hier. Engel und Christkind werden eins, wenn ein festlich in Gold gekleidetes Mädchen auf den Balkon der Frauenkirche tritt und den Christkindlesmarkt eröffnet.

Unser Rundgang durch das weihnachtliche Nürnberg begann am Königstor, gleich gegenüber dem Bahnhof. Direkt hinter dem wuchtigen Turm der Stadtmauer tauchten wir in den Trubel des Handwerkerhofes ein. In dem mittelalterlich anmutenden Gassenzirkel gab es adrette kleine Häuser, festliche Dekoration, Kunsthandwerk, Geschenke, Bratwurst – ein geschäftiges Wohlfühlangebot mit viel Gedränge.

Entlang der ganzen Königstraße bis zum Hauptmarkt reihten sich die Buden. Straßenkünstler und Händler sorgten für die Einstimmung auf die ultimative Ansammlung von Verkaufsständen auf dem zentralen Marktplatz. Ein schier unüberschaubares Meer aus überdachten Ständen, Schulter an Schulter, in strenger Ordnung aufgereiht. Dazwischen die Gänge für das Publikum. Zu einem zähen Strom komprimiert treiben die Menschen an den Auslagen entlang. Nürnberger Bratwurst, Nürnberger Lebkuchen, Glühwein, Zwetschgenmännle, Krippen, Baumschmuck, Spielzeug – wie gesagt, man meint an der Quelle aller Weihnachtsideen angelangt.

Es machte Spaß, sich hier das Geld aus der Tasche locken zu lassen. Und als sei diese Fülle an Verlockungen noch nicht genug, gab es gleich nebenan noch einen Markt der Partnerstädte. Wir schauten und konsumierten, bis wir uns satt gesehen und gegessen hatten.

Danach machten wir einen Abstecher zur Kinderweihnacht auf dem Hans-Sachs-Platz. Hier gesellten sich zu den Marktständen all die Unterhaltungsangebote, die nicht nur bei den kleinen Besuchern für Abwechslung und Zerstreuung sorgten. In der Mitte des Platzes ein riesiges altes Karussell, kindgerechte und humorvolle Dekorationen auf den Budendächern. Mitmachangebote wie Kerzengießen, Basteln, Spiele – vor allem von Vereinen organisiert.

Fast zufällig nahmen wir vom Hans-Sachs-Denkmal Notiz. Mit scheinbar stoischer Gelassenheit ertrug der Dichter und Meistersinger das quirlige Treiben rund um seinen Sockel. Ein paar Tage noch, dann hat er den Platz wieder für sich.

Noch ein Brötchen mit Nürnberger Rostbratwurst und ein Becher Glühwein, schon war aus dem Nachmittag Abend geworden. Fast bekamen wir Lust, uns noch einmal in die Völkerwanderung auf dem Marktplatz zu mischen und die inzwischen erleuchtete Zauberwelt neu zu erleben. Doch der Bummel über Stunden hatte auch müde gemacht. Wir packten die Glühweinbecher mit aufgedruckter Burgsilhouette in unsere Taschen – zur Erinnerung und als Zeugnis unserer Anwesenheit – und machten uns auf den Rückweg. Sitzen, stellten wir in bei der Fahrt zurück ins Hotel in der U-Bahn fest, ist nach solch einem Tag eine prima Sache.

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