Ein Wochenende in Prag: Karlsbrücke und Burgberg

Hier sind wir: In Prag, mitten im touristischen Zentrum an der Moldau.
Tschechien.

Das gibt es zu sehen: Eine der schönsten Hauptstädte Europas, jede Menge Kultur, Historie und Erlebnis.

Zeitstempel: März 2015

Warum waren wir eigentlich noch nie in Prag? Weil diese Frage nicht plausibel zu beantworten war, reservierten uns ein langes Wochenende im März für einen Abstecher dorthin. Wie wäre es, statt des Autos den Fernbus zu nutzen? Der Bus erwies sich als gute Alternative, an der es nichts zu mäkeln gibt. Die Fahrt war pünktlich, der Preis günstig, die Sitze bequem, es gab WiFi an Bord und die Straßen waren frei. Morgens in Berlin eingestiegen waren wir am Mittag dort. Zudem ist der Busbahnhof in Prag so gut gelegen, dass es im Grunde keiner weiteren Verkehrsmittel bedarf, um in die Prager Altstadt zu gelangen. Angesichts unseres zwar leichten, aber für einen ersten Spaziergang doch unhandlichen Gepäcks, fuhren wir doch erst einmal ein Stück mit der Metro.

Auf dem Wenzelsplatz kamen wir wieder ans Tageslicht. Eine wahrhaft würdige erste Begegnung mit Prag. Es gibt Plätze in den großen Städten der Welt, die wirken in der Realität viel kleiner, als man in seiner von Bildern inspirierten Vorstellung erwartet hat. Beim Wenzelsplatz ging es mir umgekehrt. Die Bezeichnung Platz wird diesem Boulevard nicht gerecht. Er erstreckt sich in wuchtiger Breite über gefühlt viele hundert Meter. Vielleicht wirkt er auch so groß, weil seine Sichtachse geneigt ist. Die Straße führt sanft in eine Senke hinab, an ihrem Beginn, auf dem Hügel, steht das Denkmal des heiligen Wenzel von Böhmen, in Feldherrenpose und hoch zu Ross. Dahinter der prächtig-gewaltige Bau des Nationalmuseums, der über allem zu schweben scheint.

Am anderen Ende des Platzes angekommen, wollten uns Hinweisschilder in die Altstadt locken. Doch das vertagten wir. Um zu unserem Hotel zu gelangen mussten wir uns Richtung Neustädter Rathaus halten. Um an dieser Stelle keine Ortskenntnis vorzugaukeln: Wir waren natürlich vorbereitet und hatten uns einen Plan ausgedruckt, dem wir zielstrebig folgten. Außerdem war bald der Rathausturm als Wegmarke zu sehen. Davor ein weiterer weitläufiger Platz, einmal um die Ecke herum und schon waren wir am Ziel. Wir checkten schnell ein, um möglichst viel von dem noch jungen Nachmittag für den Auftakt unserer Spaziergänge zu retten. Auch auf die dicken Jacken konnten wir verzichten, das Wetter meinte es gut mit uns. Die Sonne schien und es war frühlingshaft mild.

Vom Hotel war es nicht weit bis zum Ufer der Moldau. Am „tanzenden Haus“, einem dynamisch geschwungenen Bravourstück moderner Architektur, öffnete sich für uns zum ersten Mal der Blick zum Hradschin und zur Prager Burg. Nun wussten wir, in welcher Richtung wir entlang der Uferpromenade zu wandeln hatten.

An dieser Stelle schnell ein allgemeines Wort zur Architektur in Prag: Wer sich für Stilepochen und Bauwerke interessiert, kann sich hier wie in einer Fundgrube fühlen. Vom Mittelalter bis zur Moderne hat hier jede Epoche bemerkenswerte Meisterstücke hinterlassen. Barockschmuck und Jugendstil stehen einträchtig wie harmonisch nebeneinander. Es ist ein wirkliches Glück, dass Prag von den Feuerwalzen des Bombenkrieges und überambitionierten Stadtplanern verschont geblieben ist. Es ist ein Fest für die Augen, durch die Altstadt zu spazieren und die alten Gebäude und hübschen Fassaden zu bewundern.

Durch den weltbekannten schwarzen Torbogen mit dem mächtigen Turm betraten wir die Karlsbrücke. Sie gehört zum Pflichtprogramm jedes Prag-Besuchers. Wie es schien, waren sie alle gerade da. Wir mischten uns in das Gewimmel aus Straßenhändlern und Touristen. Was die Skulpturen auf den Brückenmauern betrifft beließen wir es beim Betrachten. Wir sind nicht so kundig im Erkennen und Zuordnen der dargestellten Heiligen wissen auch nicht über die Wunder, die das Berühren von Reliefs oder Figuren bewirken kann. Andere waren da sehr zielstrebig zugange. Uns genügte es, ihren Formenreichtum zu bewundern und den Hauch der Geschichte zu spüren.

Wir folgten dem Menschenstrom durch den Hradschin hinauf zur Burg. Der Weg erwies sich als respektable Bergwertung. Die Prager Burg ist der Amtssitz des Präsidenten der Tschechischen Republik. Entsprechend repräsentativ und gesichert wirkt der Bereich um das Schloss. Doch es gab viel mehr zu entdecken. Im Burghof streben die Türme des Veitsdoms himmelan, wir standen staunend vor dem gotischen Prachtportal. Neben dem königlichen Palst geht es zu den romanischen Türmen der Basilika, dann beginnt das Goldene Gässchen mit den an die Burgmauer geschmiegten Miniaturhäusern.

So schön wie der Rundgang war auch der Blick auf die Stadt. Die tiefstehende Sonne in unserem Rücken, erstrahlten die Dächer, Türme und Kuppeln der Stadt. Rote Ziegel, gelbe Fassaden und alles getaucht in ein goldenes Licht. Ein zauberhafter Ausblick trifft perfekten Moment.

Zur Burg hinauf waren wir von der Schlossseite gekommen, auf den Rückweg machten wir uns durch das hintere Burgtor. Hier ging es mit anspruchsvoller Neigung zünftig wieder zum Ufer der Moldau hinab. Danach war es Zeit, über die abendliche Planung nachzudenken.

Restaurants mit bodenständiger böhmischer Küche und heimischem Bier gibt es in Hülle und Fülle. Auch abseits der touristischen Hauptwege muss man vermutlich nirgendwo lange suchen. Auch wir wurden schnell fündig, setzten uns an einer hölzernen Tafel auf rustikale Stühle, aßen deftig und reichlich und freuten uns über den aufmerksamen Service, immer gut gefüllte Gläser zu haben.

Zum Ausklang des Tages gingen wir noch einmal zur Karlsbrücke zurück, um den Blick auf die Prager Burg im goldenen Licht der abendlichen Beleuchtung zu genießen. Es liegt auf der Hand, dass uns im Hotel mit dem Ausschalten des Lichts der Schlaf übermannte.

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