Frankfurt (Oder): Adventsmarkt in der Marienkirche

Hier sind wir: Im Zentrum von Frankfurt (Oder), hinter dem Oderturm und in Nachbarschaft zu Rathaus und Marktplatz steht die St.-Marien-Kirche
Land Brandenburg, Stadt Frankfurt an der Oder.

Das gibt es zu sehen: Die Marienkirche (13. Jahrhundert) war einst Stadtkirche und zählt zu den größten Beispielen der norddeutschen Backsteingotik. Im 2. Weltkrieg stark zerstört und in den Grundzügen wieder rekonstruiert. In Chorraum und Langhaus findet jährlich ein Weihnachtsmarkt mit besonderem Ambiente statt.

Zeitstempel: Dezember 2018

Ohne Frage, es gibt sehr viele schöne Weihnachtsmärkte. Ich kenne inzwischen einige und niemand wird ernsthaft bestreiten, dass sie alle, jeder für sich, einzigartig sind – durch ihren Standort, ihre Region, ihre Tradition, ihre Spezialitäten. Auch ich habe meine Favoriten, die ich immer wieder gerne besuche. Das hindert jedoch doch nicht daran, dass es immer noch neue Weihnachtsmärkte zu entdecken gibt, denen man neidlos zugestehen muss: sie sind besonders. Der Adventsmarkt in der Marienkirche in Frankfurt (Oder) gehört in diese Kategorie. Er ist besonders festlich, besonders stimmungsvoll, besonders anheimelnd – besonders weihnachtlich. Dies gelingt ihm vor allem, weil er sich mit einer imposanten Hülle umgibt: den ehrwürdigen Mauern der mittelalterlichen St.-Marien-Kirche.

Ich hatte im Internet vom Adventsmarkt gelesen. Es gab durchweg begeisterte Empfehlungen. Einmalige Atmosphäre, regionale Produkte, vielfältiges Kunsthandwerk. Das Licht, die Düfte, die Akustik. Das wollten wir erleben und machten uns auf den Weg, um erstmals an der Oder einen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Den regulären Weihnachtsmarkt im Zentrum von Frankfurt (Oder) gibt es die ganze Adventszeit hindurch und er ähnelt in seinen Angeboten denen jeder anderen Stadt.

Den Adventsmarkt in der Marienkirche gibt es in jedem Jahr nur an zwei Dezember-Wochenenden. Der Zugang erfolgt durch ein Seitenportal, aus dem den Besuchern weihnachtliche Lichter und Klänge schon von weitem entgegenströmen. Wir sind vom ersten Augenblick an beeindruckt.

Im Chorraum, vor den mit Mosaiken verglasten Fenstern, steht ein prächtiger Weihnachtsbaum mit Krippe und lebenden Schafen. Die Deckengewölbe werden mit farbigem Licht angestrahlt. In der ganzen Kirchenhalle, verteilt zwischen den Säulenreihen, stehen dicht an dicht die Verkaufsstände der Händler. Sie wirken winzig zwischen den himmelan strebenden Säulen und verstärken den Eindruck von Höhe und Weite des Kirchenraumes.

Vom Chor aus erklingt festliche Bläsermusik. Wir schauen uns an, was die regionalen Anbieter, die Bauern, Handwerker und Künstler, an Köstlichem, Dekorativem und Nützlichem zu bieten haben. Die Stände sind liebevoll gestaltet, jede Auslage empfiehlt sich als stimmungsvolles Fotomotiv. Es macht einfach Spaß, hier zu schlendern.

Ein paar Worte seien noch zur Marienkirche selbst verloren. Mit ihrem Bau als Stadtkirche wurde Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen. Sie wuchs mit der Oderstadt, wurde immer wieder erweitert, bis sie zur größten Kirche der norddeutschen Backsteingotik geworden war. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Stadt und ihre Wahrzeichen nahezu völlig zerstört. Heute ist die eindrucksvolle Kirchenhalle in großen Teilen wieder rekonstruiert. Ein Blick zum neuen Dach und auf die sie tragenden Säulen lässt erahnen, wie tief die Wunden waren. Der fehlende Südturm der Kirche ist übrigens nicht dem letzten Krieg anzulasten. Er stürzte bereits im frühen 19. Jahrhundert ein.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch die berühmten Bleiglasfenster der Kirche und ihre Odyssee. Sie sind im 14. Jahrhundert entstanden, zeigen biblische Geschichten und wurden während des Krieges als kunsthistorischer Schatz in Sicherheit gebracht. Sie gelangten nach Potsdam, dann nach Berlin und schließlich als Beutekunst nach Leningrad, wo sie im Lager der Eremitage verschwanden und seitdem als verschollen galten. Erst in neuerer Zeit kehrten die drei Bleiglasfenster an ihren angestammten Platz im Chor der Marienkirche zurück.

Den Adventsmarkt unter dem Kirchendach gibt es bereits seit mehr als 20 Jahren. Ich bin froh, dieses Kleinod entdeckt zu haben und empfehle es gern für einen Besuch. Denkt daran: Einen Markt gibt es hinter den Kirchentüren nur an zwei Wochenenden im Advent. Schaut vorher nach, welche Termine es im aktuellen Jahr sind.

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