Teltow: Japanische Kirschbäume auf dem Mauerweg

Hier sind wir: Auf dem ehemaligen Mauerstreifen zwischen Lichterfelde und Teltow im Süden Berlins. Die Kirschblütenallee entlang der Landesgrenze Berlin/Brandenburg beginnt an der Licherfelder Allee (Teltow-Seehof) und reicht bis nach Teltow-Sigridshorst.
Land Brandenburg, Kreis Potsdam-Mittelmark.

Das gibt es zu sehen: Auf dem ehemaligen Grenzstreifen wurden, dem Verlauf der Berliner Mauer auf 1,5 Kilometer folgend, mehr als tausend japanische Kirschbäume zu einer Allee gepflanzt. Sie wurden von Bürgern Japans anlässlich der Wiedervereinigung Deutschland gespendet. Jährlich zur Kirschblüte wird ein traditionelles Hanami gefeiert.

Zeitstempel: Mai 2021

In diesem Jahr hat ein unterkühlter Frühling das große Blühen herausgezögert. Normalerweise entfalten sich die Knospen etwa um die letzte Aprilwoche zu einem rosafarbenen Kirschblütenband und es gibt ein großes Fest. Aber was ist schon normal? Wegen Corona fällt das Fest bereits zum zweiten Mal aus und die Natur gibt sich lustlos. Doch nun endlich ist es so weit. Pünktlich zum ersten strahlend hellen und sommerlich warmen Sonntag der Saison erscheint das rosa Leuchten. Ein sehenswertes Ereignis. Ich habe es mir angeschaut und mit mir waren Scharen von Besuchern unterwegs – ich würde sagen, nur unwesentlich weniger Leute als beim letzten Fest mit Buden und Programm vor drei Jahren. Denn die eigentliche Attraktion war schon immer das Wandeln unter dem Blütendach.

Wer die Kirschblütenallee noch nicht kennt: Sie zieht sich in drei parallelen Baumreihen auf der Grenzlinie zwischen Teltow und Berlin. Rund 1.100 Japanische Kirschbäume, die prachtvoll blühen aber keine Früchte tragen, wurden auf einer Strecke von anderthalb Kilometern zu einer Allee gepflanzt. Seit Mitte der neunziger Jahre wachsen sie hier und markieren den ehemaligen Verlauf der Berliner Mauer. Wo einst bewaffnete Soldaten patrouillierten und Wachtürme standen, flanieren heute Spaziergänger; wo einst Mauern und Zäune waren, bestimmen blühende Baumkronen das Bild.

TV Asahi Kirschblütenallee – so heißt die Allee korrekt und vollständig. Sie ist Teil der Sakura-Kampagne. Nach dem Fall der Mauer rief der japanische Fernsehsender seine Zuschauer zu spenden für die Kampagne auf, um anlässlich des Endes der deutschen Teilung mit dem Pflanzen von Japanischen Blütenkirschen ein Zeichen der Verbundenheit zu setzen. Umgerechnet eine Million Euro wurden gesammelt und viele tausend Bäume als Gruß zwischen den Völkern von Japan und Deutschland gepflanzt. Sie stehen zum Beispiel an der Glienicker Brücke, der East-Side-Gallery, der Bornholmer Straße und in den Gärten der Welt in Marzahn-Hellersdorf. Eine zusammenhängende Baumreihe wie die TV Asahi Kirschblütenallee gibt es jedoch nur hier, zwischen Lichterfelde und Teltow.

Die Kirschblüte (japanisch: Sakura) hat in Japan als Sinnbild für die Ankunft des Frühlings traditionelle Bedeutung. Seit über tausend Jahren wird sie mit dem Brauch des Hanami (deutsch: Blütenschau oder Betrachtung der Kirschblüten) begangen. Innerhalb des buddhistischen Glaubens hat diese nur wenige Wochen währende Blütezeit auch spirituelle Bedeutung. Auf dem Gedenkstein am Ende der Allee, am Japan-Eck, wurden deshalb, neben dem Hinweis auf die Spender, auch Zeilen des japanischen Heiku-Dichters Kobayashi Issa aufgenommen. Sie lauten:

Unter den Zweigen
der Kirschbäume in Blüte
ist keiner ein Fremder hier.

Es hat etwas Besonderes, hier während der Blütezeit spazieren zu gehen. Maiengrün, Himmelsblau und Zartrosa heben einander wechselseitig empor. Viele Menschen sind entspannt unterwegs, schlendern die Pfade entlang oder sitzen im Schatten der Baumkronen. So begeht jeder sein eigenes Hanami, genießt die Natur – und freut sich darauf, dass es im nächsten Jahr wieder ein richtiges Fest geben wird. Mit Imbissbuden und Infoständen, mit Gedränge und Nähe, mit Musik und Tanz. Richtig normal.

Zeitstempel: April 2021

Das kalte Wetter drosselt die Natur. Wir wissen es, der Frühling hält sich überall mit seiner Farbenpracht zurück. Wir fahren trotzdem nach Teltow und wollen schauen, was an der Kirschblütenallee der Stand der Dinge ist. Die Knospen sind prall, nur ein paar wärmende Sonnenstrahlen fehlen noch, doch im April ist das nicht mehr zu schaffen. Da auch in diesem Jahr das Hanami-Fest wieder ausfällt, ist das kein Problem. Wir kommen wieder.

Zeitstempel: April 2020

Eigentlich wäre heute Hanami gewesen, das japanische Blütenfest zur Begrüßung des Frühlings. Doch es ist Corona-Zeit, alle Feste werden ersatzlos gestrichen. Überhaupt wurde der Alltag auf ein Minimum zusammengestutzt, um Kontakte zu vermeiden. Das geht nun schon sein Wochen so und inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass das Virus in Schach gehalten werden kann. Ausflüge werden immer noch nicht gern gesehen, doch Spaziergänge an der frischen Luft und mit Abstand sind erlaubt. Weil die Sonne scheint und nach draußen lockt, werden die Regeln nicht all zu eng ausgelegt. Folglich sind wir bei unserem Besuch nicht allein auf der Allee unterwegs; ganz im Gegenteil. Doch man geht sich aus dem Weg, so gut es geht. Es ist einfach herrlich, unter dem Blütendach zu spazieren und ein Stündchen lang so zu tun, als wäre die Welt in Ordnung.

Zeitstempel: April 2019

Dies ist ein Nachtrag, mit dem ich schnell mit drei Bildern zeigen will, wie es aussieht, wenn das Hanami-Kirschblütenfest aussieht, wenn es stattfindet. Dann gibt es Verkaufsstände, Showprogramm, Spiele – alles an Geselligkeit und Unterhaltung, was zu einem Volksfest gehört. Und es gibt viele Menschen, dicht gedrängt und (mehrheitlich) fröhlich. Beim Hanami 2019 war es für das Fest höchste Zeit, denn die Blütezeit der Kirschbäume war schon fast vorüber. Die Blütenblätter begannen bereits zu rieseln und bedeckten den Boden rosafarbene Schneeflocken.

Ein Gedanke zu „Teltow: Japanische Kirschbäume auf dem Mauerweg

  1. […] Pünktlich zum Muttertag war schönes Wetter und in Teltow haben sich die Baumkronen der Japanischen Kirschblütenallee in ein rosafarbenes Blütenband verwandelt. Sie sind spät dran, sonst beginnt das Spektakel immer schon im April. Wie auch immer: Jetzt hat es begonnen. Für kurze Zeit kann jetzt unter einem Blütendach geradelt, gewandelt oder gerastet werden. Schon bald wird das große Rieseln beginnen und die Blütenblätter werden von den Zweigen auf den Boden wechseln. Also nicht lange gezögert, wenn Berlin und Teltow für euch in erreichbarer Näher sind. Was euch in der Kirschblütenallee erwartet, erzähle ich euch in einem neuen Beitrag auf meinem Blog. […]

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